Direct Air Capture (DAC) zählt zu den Schlüsseltechnologien für die aktive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre. Das abgeschiedene CO2 kann entweder dauerhaft gespeichert (CCS) oder als Rohstoff für synthetische Kraftstoffe und chemische Produkte genutzt werden (CCU). Für das Erreichen der Klimaziele werden weltweit bis 2050 CO2-Abscheidungskapazitäten im Gigatonnenmaßstab benötigt. Gleichzeitig befinden sich DAC-Technologien aktuell noch in einer frühen Phase der Industrialisierung und bieten erhebliche Potenziale für den Maschinen- und Anlagenbau sowie den Technologiestandort Baden-Württemberg.
Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) entwickelt hierfür eine flüssigkeitsbasierte DAC-Technologie auf Basis des Sorbens Polyethylenimin (PEI). Das Verfahren zeichnet sich durch eine gute Skalierbarkeit, eine hohe CO2-Reinheit (> 99,5 Vol.-%) sowie die Möglichkeit zur Nutzung industrieller Abwärme im Temperaturbereich von 80-100 °C aus. Durch den flüssigkeitsbasierten Prozess sind zudem flexible Betriebsweisen und eine gute Integration in bestehende Industrieparks möglich.
Im Fokus des Vorhabens DACScale stehen die Weiterentwicklung und Skalierung der bestehenden Technologie. Ziel ist insbesondere die Reduktion des thermischen Energiebedarfs sowie die Verbesserung des Wassermanagements, um den Betrieb künftig energieeffizienter, kostengünstiger und standortunabhängiger zu gestalten. Hierfür werden die bestehenden Prüfstände und Testinfrastrukturen der Testplattform DACLab am ZSW gezielt zur Weiterentwicklung des Prozesses genutzt und bei Bedarf um zusätzliche Komponenten und Versuchsmöglichkeiten erweitert. Parallel dazu werden Komponenten und Technologien gemeinsam mit Industriepartnern aus Baden-Württemberg weiterentwickelt und in eine bestehende DAC-Demonstrationsanlage mit einer Abscheidekapazität von ca. 100 Tonnen CO2 pro Jahr integriert.
Ergänzend sollen auf Landesebene potenzielle industrielle Einsatzstandorte identifiziert und bewertet werden, um frühzeitig Referenzprojekte für DAC-Technologien in Baden-Württemberg und darüber hinaus initiieren zu können.
Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg fördert das Projekt im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bis März 2028 mit rund 1,6 Mio. Euro.