// DAC BW / 2022-2025

Für die globale, großtechnische Herstellung erneuerbarer synthetischer Kohlenwasserstoffe (reFuels) – sowohl als Energieträger als auch als Rohstoff für die chemische Industrie – wird künftig ein erheblicher Bedarf an CO2 entstehen, der durch industrielle und biogene Punktquellen allein nicht gedeckt werden kann. In Verbindung mit dem Ziel der Klimaneutralität ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Direct Air Capture (DAC) als ergänzende CO2-Quelle zu etablieren. Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, ist der zügige Aufbau industrieller Anbieterstrukturen erforderlich.

Baden-Württemberg bietet aufgrund seiner industriellen Stärke, insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, ideale Voraussetzungen, um bei der Entwicklung und Skalierung von DAC-Technologien eine Technologieführerschaft zu übernehmen. Der gezielte Aufbau entsprechender Kompetenzen könnte es dem Land ermöglichen, sich als führender Technologieanbieter im Bereich DAC sowohl innerhalb der EU als auch auf globaler Ebene zu positionieren. Zentrales Ziel des Vorhabens DAC-BW war es daher, die industrielle Umsetzung wettbewerbsfähiger DAC-Technologien mit Wertschöpfung aus Baden-Württemberg zu initiieren.

Ein Schwerpunkt lag auf der frühzeitigen Einbindung der Industrie. So wurden potenzielle industrielle Verwertungspartner in Baden-Württemberg identifiziert und erste Maßnahmen zur Kommerzialisierung der Technologie angestoßen. In diesem Zuge entstand neben der Projekthomepage (www.dac-bw.de) ein Industrienetzwerk mit über 40 interessierten Unternehmen aus der Region. Im Rahmen mehrerer Workshops des Industriedialogs erhielten die Netzwerkpartner sowohl vertiefte Informationen zu Marktpotenzialen und technologischen Aspekten von Direct Air Capture als auch praxisnahe Einblicke durch den Betrieb der DAC10-Anlage.

Parallel wurden umfassende Marktanalysen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen: Der CO2-Bedarf in Deutschland wird bis 2050 von derzeit 1,3 Mio. t auf bis zu 59 Mio. t anwachsen, weltweit auf 1.000–6.000 Mio. t. Haupttreiber sind die chemische Industrie, die Herstellung synthetischer Kraftstoffe und der Bausektor. Gleichzeitig sinkt das verfügbare CO2-Angebot aus Punktquellen infolge von Klimaschutzmaßnahmen. Prognosen zufolge könnten bis 2050 über 60 % des industriellen CO2-Bedarfs durch DAC-Technologien gedeckt werden. Für Baden-Württemberg eröffnen sich daraus erhebliche wirtschaftliche Chancen, mit jährlichen Umsatzpotenzialen von bis zu 2,2 Mrd. € und mehreren tausend neuen Arbeitsplätzen.

Zur technologischen Umsetzung wurde am ZSW eine skalierte Demonstrationsanlage mit einer Abscheidekapazität von ca. 100 t CO2 pro Jahr errichtet, die den praxisnahen Betrieb von DAC ermöglicht. Ergänzend entwickelte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Simulationsmodell, das die Optimierung der Prozesse unterstützt. Gemeinsam schaffen diese Bausteine die Grundlage für die Weiterentwicklung und Skalierung von DAC-Technologien.

Demonstrationsanlage bestehend aus einem Container für die Desorption (links) und zwei Containern für die Absorption (rechts)
Innenansicht der Desorbereinheit der Demonstrationsanlage
Rückansicht der Absorbereinheit der Demonstrationsanlage

Die Ergebnisse des Projekts verdeutlichen, dass Direct Air Capture sowohl für die Bereitstellung klimaneutraler Rohstoffe als auch für das Erreichen von Negativemissionen unverzichtbar ist. Für Baden-Württemberg eröffnen sich dabei erhebliche Chancen, da die starke Maschinen- und Anlagenbaukompetenz ideale Voraussetzungen für eine Technologie­führerschaft bietet. Dieses Potenzial wird jedoch bisher nicht ausgeschöpft. Verfestigt sich dieser Rückstand, drohen technologische Abhängigkeiten sowie der Verlust industrieller Wertschöpfung und Exportchancen in einem zentralen Zukunftsmarkt.

Das Vorhaben DAC-BW wurde vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg im Zeitraum von 01.06.2022 bis 30.06.2025 mit rund 1,4 Mio.€ gefördert. Die Demonstrationsanlage wurde vom Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg mit rund 0,5 Mio.€ gefördert.

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